Gestern, im ersten Teil des Artikels bin ich ein wenig näher auf die Personen eingegangen, die Freie Software programmieren. Was nicht vorkommt, ist der Personenkreis, die als Festangestellte in einem Betrieb oder Organisation arbeiten und Geld dafür bekommen Freie Software zu entwickeln.
Heute möchte ich mich mit der eigentlichen Motivation beschäftigen, die so viele Menschen dazu antreibt, sich nochmal zusätzlich “Arbeit aufzulasten”. Im Grunde ist es keine Last, wird aber gerne so hingestellt um eine Argumentation wie “Bist du blöd, du machst dir soviel Arbeit und bekommst nicht mal Geld dafür!”, zu ermöglichen.
Achso, mal eine kleine Ankündigung an dieser Stelle. Im Laufe der Woche erscheint hier auch ein Artikel von meinem Mit-Autor. Sicher etwas etwas aus dem Bereich Design, oder doch Architektur, aber vielleicht auch Visualisierung. Hmm, um ehrlich zu sein, ich weis es nicht. Er wollte es mir nicht verraten! Das heißt, wir müssen uns wohl überraschen lassen.
Zunächst ein Zitat von R. M. Stallman (Gründer der FSF und des GNU – Projekts):
Jede Entscheidung, die jemand trifft, beruht auf den Wertvorstellungen und Zielen dieser Person. Menschen können viele verschiedene Wertvorstellungen und Ziele haben; Ruhm, Geld, Liebe, Überleben, Spaß und Freiheit sind nur einige der Ziele, die ein guter Mensch haben kann. Wenn das Ziel darin besteht, anderen ebenso wie sich selbst zu helfen, nennen wir das Idealismus. Meine Arbeit an freier Software ist von einem idealistischen Ziel motiviert: Freiheit und Kooperation zu verbreiten. Ich möchte dazu beitragen, dass sich freie Software verbreitet um proprietäre Software zu ersetzen, die Kooperation verbietet, und damit unsere Gesellschaft zu einer besseren zu machen.
(Richard Stallman, 1998)
Unsere Gesellschaft kennt wohltätige, karitative und kulturelle Formen des Engagements für eine gute Sache, die nicht auf finanziellen Gewinn zielen. Doch während einer Ärztin, die beispielsweise eine Zeit lang in Äthiopien gearbeitet hat, allgemeine Anerkennung gezollt wird, ist meist die erste Reaktion auf unbezahlte Softwareentwickler, dass es sich um Studenten handeln muss oder um „verrückte“. Warum verrückt? Weil ihre Arbeit in der Wirtschaft einerseits äußerst gefragt ist und andererseits gut bezahlt werden würde.
Jedes Geschäft – welcher Art es auch sei – wird besser betrieben, wenn man es um seiner selbst willen als den Folgen zuliebe treibt«, weil es nämlich zuletzt für sich Reiz gewinnt, was man zunächst aus Nützlichkeitserwägungen begonnen haben mag, und weil dem Menschen Tätigkeit lieber ist, als Besitz, … insofern sie Selbsttätigkeit ist.
(Volker Grassmuck – Freie Software – zwischen Privat- und Gemeineigentum S. 250)
Diese humboldtsche Erkenntnis über die Motivation der Menschen bietet einen Schlüssel für das Verständnis der freien Software. Einen Wert an sich stellt der kreative Akt dar, freie Software zu entwickeln.
Eine Grundvoraussetzung für die Beteiligung an solchen Projekten, ist natürlich die Faszination vom Programmieren selbst. Der Computer als Gerät für mögliche Kreativität, in ihm etwas zu schaffen und von ihm eine sofortige Rückmeldung zu erhalten, kann etwas sehr Erfüllendes sein. Die Motivation für viele ist auch, die Aufmerksamkeit, das gesteigerte Image, der Ruhm und die Ehre, aber nicht nur solche Gründe, die ausschließlich im Bezug auf das eigene Ego genannt sind, sind Antriebskraft dafür, sondern auch das Lernen an sich. Wenn man etwas veröffentlicht, setzt man sich Kritik aus, welche gerade in der Welt der freien Software eine sehr positive und konstruktive ist. Es gibt individuelle und soziale Motivationen, warum man sich an einem freien Software Projekt beteiligt:
Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, dass es viele Gründe gibt, warum und wieso und überhaupt(!)
Quellen
Bücher
Freie Software – zwischen Privat- und Gemeineigentum
Autor: Volker Grassmuck
Online Version



Soweit nicht anders gekennzeichnet, stehen alle Inhalte auf miyuato.com unter
einer