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Weg frei zur Internetzensur?

Wenn man sich die letzte Zeit ein wenig näher mit unserer lieben Zensursula beschäftigt hat, möchte man meinen das dies tatsächlich bald der Fall sein könnte.

Für die, die nicht Wissen worüber ich gerade spekuliere. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat ja bekanntlich der Kinderpornographie den Kampf angesagt. Was an sich eine gute Sache ist, sie sie aber mit den falschen Mitteln bekämpft.

Seit Freitag ist es nun offiziell, 5 große deutsche Internetprovider haben Verträge mit dem Bundeskriminalamt (BKA) abgeschlossen. In diesem Vertrag werden gesetzliche Regelungen zur Blockade kinderpornographischer Webseiten beschlossen. Diese vermeintliche Blockade wird über DNS-Sperren erreicht, die selbst nicht technisch versierte Nutzer sehr leicht umgehen können.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs in Sachen DNS und DNS-Sperre. Um das auch mal dem unbedarften Internetnutzer zu erklären. DNS-Sperre bedeutet, dass die Auskunft eine falsche Nummer sagt, nämlich die des BKA. Und es ist kein Problem, einfach eine andere Auskunft zu fragen. Das ist zwar fachlich nicht mehr exakt, aber trifft es ganz gut. (Danke an Herr Erlacher für die schöne Beschreibung)

So weit so gut. Zusätzlich dazu, dass eine solche Sperre nur ein Sichtschutz ist, wird das ganze noch auf einem, hart ausgedrückt, Lügenkonstrukt aufgebaut. Gepaart mit dem Unwissen des unbedarften Internetnutzers (klingt das genauso komisch, wie es sich schreibt?) ergibt sich die Gefahr für das Freie Internet. Den jeder der gegen die Blockade ist, ist für Kinderpornographie im Web. Jedenfalls im Volksmund.

Tatsache ist allerdings, das solch Material nicht über das Web verbreitet wird und man auch nicht mal eben “zufällig” darüber stolpert. Eines der vielen Argumente gegen Webzensur. Gerrit van Aaken zählt weitere Gründe gegen Webzensur in seinem Weblog www.praegnanz.de auf. Auch auf www.netzpolitik.org ist ein Artikel zu dem Thema erschienen. Die dreizehn Lügen der Zensursula. Hier kommentiert und erwidert Netzaktivist Lutz Donnerhacke die Aussagen des Familienministeriums zur Notwendigkeit von Zensurmaßnahmen gegen die Dokumentation von Kindesmißhandlungen.

Wenn man sich nun einmal vor Augen führt, wie löchrig der angestrebte Schutz und die Argumentation von Frau von der Leyen sind, dann frägt man sich nach den wahren Motiven für solche Maßnahmen, die einem “Ich will mit dem Kopf durch die Wand, alle Argumente sind mir egal” Verhalten, sehr ähnlich sind. Was bleibt ist der fade Nachgeschmack der Tatsache, dass es diese Blockade geben wird und diese Anhand von nicht einsehbaren Listen mit “bösen” Adressen erstellt wird.

Und wenn es dann mal schon eine solche geheime Liste gibt, dann ist es auch nicht mehr weit bis andere unliebsame Inhalte aus dem Netz verschwinden. Einen weiteren interessanten Artikel findet man auf heise.de

Fazit

Das Internet ist zwar frei, aber noch lange kein rechtsfreier Raum. Illegale Inhalte im Web werden strafrechtlich verfolgt und wenn möglich aus dem Verkehr genommen. Wir brauchen keine Zensur und auch keinen Wahlkampfaktionismus. Und mit Scheuklappen der Marke “von der Leyen” werden auch nicht weniger Kinder missbraucht.

gelesen: 337 · heute: 2 · zuletzt: 27. Juli 2010
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