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Spickmich.de – Fluch oder Segen?

Die Möglichkeit der Nutzer zu Bewerten gibt es schon lange. Und auch schon so gut wie überall, wo man als Nutzer mit der Seite “interagieren” kann. Und wir haben mit der Zeit gelernt, nicht jede bodenlose Kritik oder jeden himmelhoch jauchzende Lobeshymne ernst zu nehmen.

Im Grunde, Informationen zu verarbeiten und sich ein eigenes Bild zu machen. Selbstständig nachdenken, die eigene Meinung frei äußern, dass sind doch die Ziele von Bewertungsfeatures.

So weit zur schönen und vor allem nur gut gemeinten Theorie. Das es in der Praxis oft anders aussieht, ist auch kein Geheimnis. Ein fast aktueller Fall, auf Amazon.de zum Spiel Anno 1404. Ein vermeintlich tolles Spiel, bekommt nur wegen dem restriktiven Sicherheitsmaßnahmen Seitens des Herstellers, schlechte Bewertungen. Nicht das wir uns falsch verstehen, ich finde diese Gängelung der ehrlich Käufer auch schrecklich. Mit dem Spiel ansich hat das jedoch nichts zu tun. Das nur als ein negativ Beispiel.

Nichtsdestotrotz, hat man ja die Möglichkeit sich die Bewertungen als möglicher Kunde anzusehen und sich so sein eigenes Bild zu machen. Wo wir wieder bei “selber denken” wären. Und oft genug sind Bewertungen, eine super Sache um herauszufinden, welche Katze man im Sack kauft, oder um “Druck” auszuüben.

Nun was hat das jetzt alles mit Spickmich.de zu tun? Ganz einfach. Auf Spickmich.de haben Schüler die Möglichkeit, ihre Lehrer anhand von objektiven Kriterien zu bewerten. Das hat unlängst auch der Bundesgerichtshof anerkannt. Eine Deutschlehrerin hatte gegen das Lehrerbewerungsportal geklagt, weil sie mit der Note 4,3 Bewertet wurde. Sie sah ihre Persönlichkeitsrechte verletzt.

Ich, als jemand der selbst noch zu den Betroffenen gehört, also generell als Schüler, ich finde es gut das uns die Möglichkeit gegeben wird unsere Lehrer zu bewerten, anhand sachlicher Kriterien. Welche Möglichkeiten hat man den sonst sich zu wehren? Persönliches Gepräch? Gang über die Schulleitung, das Schulamt? Ich bitte euch, ihr wisst zum großen Teil selbst, dass das nicht oft überhaupt etwas ändert. Viel mehr muss man Angst haben, dass einem daraus zerschmetternde Konsequenzen entstehen.

Man kann hier natürlich geteilter Meinung sein und es gibt auch hier sicher positive Beispiele. Zum Beispiel, hat uns einer unserer Lehrer, halbjährlich, die Möglichkeit gegeben, anhand eines anonymen Fragebogens, ihn zu bewerten. Er hat das dann ausgewertet und die Ergebnisse mit uns besprochen. Solch eine Selbstevaluation, ist ein sehr tolles Beispiel wie es auch funktionieren kann.

Kritik am Urteil des Bundesgerichtshof, kam wie zu erwarten auch aus Richtung der Politik, natürlich von der CDU/CSU. Die ja immer bestrebt ist ihre Bürger zu schützen und Grundrechte abzubaue und uns zu Bevormunden. Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass die Politik uns die Fähigkeit, selbstständig zu denken aberkennt und die Gesetze die dazu erlassen werden zeigen das, meiner Meinung nach deutlich.

Was hat das nun mit Spickmich zu tun? Erst einmal gar nichts. Aber wer sagt uns, dass nicht bald solche Seiten verboten werden, weil sie “das Denunziantentum” fördern?

Was bleibt zu sagen. Ich finde es gut, dass es Seiten wie Spickmich.de gibt. Man muss es als Möglichkeit begreifen, nicht als Gefahr. Es wird wie oft nur das negative gesehen und dem Volk wird es nicht zugetraut selbstständig abwägen zu können, was er mit der ein oder anderen Information anfangen kann.

Witzig finde ich auch immer wieder vergleiche bei Diskussionen, wenn sich die Politik zu Wort meldet.

“Dass Politiker benotet werden, damit können wir leben.”, sagte Kauder in einem Interview mit RP Online. “Aber dass jetzt auch zwischen Bürgern jeder den anderen anonym bewerten kann, das hat für mich schon etwas von Denunziantentum.” Und weiter: “Sollen Lehrer demnächst anonym ihre Schüler bewerten? Oder Verurteilte die Richter?”
Internet-Pranger am Pranger@heise.de

Also werden nun Schüler mit Verbrechern verglichen? Ist das, genau das, nicht Denunziantentum? Das Volk wird beschimpft, beleidigt, Denunziert und das von der eigenen Regierung. Aber wir sind ja alles potentielle Amokläufer, Terroristen und Kinderschänder. Ich weis das sind harte Worte. Aber jeder der die jüngsten politischen Diskussionen mitverfolgt hat, hat nicht sehr viele Alternativen anders zu denken, meine ich.

Ich vermute man würde die Schüler gerne mundtot machen, denn sonst könnte es ja sein, das man wirklich irgendwann etwas ändern müsse, und dann müsste sich die Politik auch eingestehen Fehler gemacht zu haben. Schrecklich!

Wie seht ihr das? Bei einigen von euch liegt der Schulalltag schon etwas weiter zurück, aber es ist ein Thema das uns alle angeht. Denn nicht nur Schüler sind ohnmächtig, auch ihre Eltern, die sich wehren.

gelesen: 277 · heute: 3 · zuletzt: 25. Juli 2010
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